AUSGANGSLAGE UND HERAUSFORDERUNGEN
Potenzial nutzen und jungen Menschen Perspektiven im eigenen Land bieten
Die positive wirtschaftliche Entwicklung Ghanas der letzten Jahrzehnte ist nicht zuletzt den Investitionen in die Bildung der Menschen zu verdanken. Jedoch entsteht durch die häufig theoretisch ausgelegten Ausbildungen eine Diskrepanz zwischen den erlangten Qualifizierungen und den Anforderungen der Unternehmen, sodass die Arbeitslosigkeit trotz wirtschaftlichen Aufschwungs auf einem hohen Niveau bleibt. Gleichzeitig wandern viele der besonders hochqualifizierte Ghanaerinnen und Ghanaer aus, da sie in ihrem Heimatland keine adäquaten Arbeitsmöglichkeiten finden.
Digicap.gh war ein Projekt, das an der häufig fehlenden bedarfsorientierten Qualifizierung im Bereich der IKT angesetzt hat. Ziel war es, die bestehende Lücke zwischen Angebot und Nachfrage auf dem ghanaischen Arbeitsmarkt zu überbrücken. Die Förderung des IKT-Sektors ist besonders bedeutsam, da dieser als Wachstumsmotor fungiert und zur Weiterentwicklung der gesamten Privatwirtschaft beiträgt.
Durch die in Ghana bereits gut ausgebaute digitale Infrastruktur, eine angemessene Sicherheitslage, nationale Stabilität sowie durch ein allgemein begünstigendes Geschäftsumfeld werden Neugründungen von IKT-Unternehmen im Land unterstützt. Die Voraussetzungen für ein erfolgreiches Projekt mit lokaler Beschäftigungswirkung sind somit geschaffen.

PROJEKTANSATZ UND PROJETZIELE
Universitäten als Ausbildungsstätte von motivierten Fachkräften und Vermittlungsinstitution zum Privatsektor
Digicap.gh war ein Partnerschaftsprojekt der AFOS-Stiftung für Unternehmerische Entwicklungszusammenarbeit des Bundes Katholischer Unternehmer (BKU) mit der Universität Cape Coast (UCC), der Accra Technical University (ATU) sowie dem Institute of ICT Professionals Ghana (IIPGH). Im Rahmen des Projekts haben die Universitäten UCC und ATU sowie lokale Wirtschaftsinstitutionen die Fähigkeit entwickelt, praxisorientierte IKT-Qualifizierungsprogramme anzubieten, die am Bedarf der lokalen Unternehmen ausgerichtet sind. Sowohl kurz- als auch langfristige Programme für Studierende wurden etabliert.
Durch die bedarfsgerechte Ausbildung von IKT-Fachkräften zielte das Partnerschaftsprojekt darauf ab, zu einer Steigerung der Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit ghanaischer Unternehmen und somit zu einem Anstieg der Beschäftigungsfähigkeit beitragen. Das Projekt hat auf der einen Seite den Erfolg der Studierenden durch Ausbildung und Einführung in das IKT-Netzwerk unterstützt. Auf der anderen Seite wurde für Unternehmen ein Pool bedarfsqualifizierter Arbeitskräfte aufgebaut, der den Suchaufwand nach passenden Mitarbeitenden verringert hat.
Während der Projektlaufzeit von Oktober 2020 bis Februar 2024 haben die Projektpartner mit 28 in Ghana ansässigen Unternehmen zusammengearbeitet. Auch der intensive Austausch mit dem lokalen Wirtschaftsverband Institute of ICT Professionals Ghana (IIPGH) und Unternehmen wie dem deutschen IT-Unternehmen getINNOtized GmbH trägt zu einem besseren Wissenstransfer zwischen Privatwirtschaft und Partneruniversitäten bei. Durch Workshops, Bootcamps und Netzwerktreffen des neuen INDAC-TED Symposiums konnten wirtschaftsspezifische Aspekte weiter betont werden. Um die Nachhaltigkeit des Vorhabens zu unterstützen ist das IIPGH in die Mechanismen der Projektentwicklung und -steuerung eingebunden.

STATUS UND AUSBLICK
Langfristige Kooperationen etablieren und somit Beschäftigungsfähigkeiten stärken
Bis Projektende wurden 588 Studierende und Lehrkräfte, davon 30 Prozent Frauen, in bis zu drei Semestern in Data Science & Analysis, Business Intelligence, Cloud Computing und Networking & Security geschult. Weitere 945 Personen, davon 46 Prozent Frauen, nahmen an kürzeren Schulungen im Umfang von mindestens 5 Tagen teil. An Partneruniversitäten wurde Beratung durch Career Service Units zur Erstellung von Lebensläufen, Berufsorientierung, Teambuilding, Verhandlungstraining und öffentliches Sprechen etabliert. Ein Junior Consultants-Programm förderte unternehmerisches Denken. Unterstützt durch Weiterbildung und Mentoring entwickelten Absolventinnen und Absolventen in diesem Rahmen IKT-Lösungen für Unternehmen. 162 der Absolventinnen und Absolventen der Qualifizierungsmaßnahmen, davon 30 Prozent Frauen, fanden eine passende Beschäftigung in verschiedenen Firmen.
Das Vorhaben zeigte Potenziale zur Weiterentwicklung verschiedener Ansätze und führte zur Konzipierung eines Neuprojektes. Eingebettet in die feministische Entwicklungspolitik des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) fördert es die Teilhabe, das Selbstverständnis und die Beschäftigungsfähigkeit von jungen Frauen in IKT-Feldern. Der Fokus liegt auf überfachlichen Kompetenzen, Praxiserfahrung und der Begleitung von Berufseinsteigerinnen im einjährigen ghanaischen Nationaldienst NSS, einem verpflichtenden Zivildienst nach Hochschulabschluss, sowie bei der anschließenden Einstellung als Mitarbeiterinnen.
Weitere Informationen und Eindrücke sind auf der Website des Projektes zu finden: https://digicap.afosfoundation.org/
Das Partnerschaftsprojekt wurde im Rahmen der Sonderinitiative „Gute Beschäftigung für sozial gerechten Wandel“ des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) über sequa gGmbH gefördert.