Bernadette Bineta Ndiaye  © GIZ Felix Weber

MENSCHEN UND GESCHICHTEN

Bernadette Bineta Ndiaye:
Vom Slum in den Salon

Invest for Jobs und die YOU Foundation machen einen ehemaligen Slum in Senegal zu einem Wohnviertel mit guten Jobs. 

Bernadette Bineta Ndiaye kam als Kind nach Baraque, ein Slum in der senegalesischen Hauptstadt Dakar. Das Leben hier war ein täglicher Kampf, Angst vor Kriminalität und Überflutungen prägten ihren Alltag. Doch durch die YOU Foundation und Invest for Jobs hat sie nun eine richtige Wohnung bezogen, eine Ausbildung zur Friseurin gemacht und mit anderen Frauen einen Salon eröffnet.

„Stellen Sie sich vor, sie wären an ein gutes Leben in einer gemütlichen Wohnung gewöhnt und würden all das über Nacht verlieren, nur um dann auf der Straße zu enden. Das war ein Unterschied wie Tag und Nacht.“ Das Leben von Bernadette Bineta Ndiaye änderte sich schlagartig als sie 13 Jahre alt war. Sie lebte bis dahin mit ihren Eltern in einer Wohnung in Dakar. Die Eltern arbeiteten viel, aber die kleine Familie hatte ein beschauliches Leben. Das änderte sich, als sie in kürzester Zeit alles verloren: erst die Jobs der Eltern, dann die gemeinsame Wohnung. Sie standen auf der Straße und ihnen blieb nichts anderes übrig, als in den Slum Baraque umzusiedeln.

In Baraque gab es nichts: kein Wasser, keinen Strom, keine Perspektive: „Es war sehr schwer. Damals war nichts hier außer Bäumen, Schlangen und anderen Tieren. Wir haben uns ständig nur abgemüht“, sagt die heute 43-Jährige. Sie bauten sich eine Wellblechhütte und hielten sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser. Das Schlimmste, so erinnert sich Bernadette Bineta, sei der ständige Schlafmangel gewesen, entweder aus Angst ausgeraubt zu werden oder wegen regelmäßiger Überflutungen in der Regenzeit. Während der Regenfälle habe man die ganze Nacht versucht, Wasser aus der Hütte zu halten und die wenigen Besitztümer zu retten: „Wir konnten nicht schlafen, wir waren die ganze Nacht wach. Es war ein Albtraum.“

Der Slum bot Bernadette Bineta keinerlei Zukunft, sie war erschöpft, mittellos und den ganzen Tag damit beschäftigt, Trinkwasser zu finden und sich um die Flutschäden zu kümmern. Eine Schule hatte sie nie besucht. Sie verkaufte Essen auf der Straße direkt vor ihrer Behausung, um sich und ihre vier Kinder zu ernähren. An deren Erziehung oder gar ihre eigene berufliche Weiterbildung war kaum zu denken.

Aus Baraque wird Baraka

Doch nun wandelt sich der Slum zum Symbol der Hoffnung: aus Baraque, was im Französischen "Baracke" oder "Schuppen" bedeutet, wird Baraka. Dafür baut die deutsche YOU Stiftung mit Unterstützung der Sawiris Foundation und CasaOrascom moderne Wohnhäuser in Baraka, mit stabilem Fundament, dichten Dächern und fließendem Wasser aus dem Wasserhahn: „Stellen Sie sich vor, wie toll es ist, den Wasserhahn in den neuen Gebäuden einfach aufdrehen zu können, nachdem man in den Slums so viele Kilometer laufen musste, um Wasser zu holen!“, sagt sie lachend.

„Dies hat jeden Aspekt meines Lebens verändert.“

Bernadette Bineta Ndiaye

Zum zweiten Mal änderte sich ihr Leben wie Tag und Nacht. Seit Juni 2020 wohnt sie mit ihrer Familie in einer Wohnung, in der sie als Miete nur einen geringen Betrag zur Instandhaltung zahlt. Da nun erstmals sichere Wohnungen zur Verfügung standen und Trinkwasser nicht mehr kilometerweit transportiert werden musste, konnte nun ein weiteres Problem im neuen Baraka angegangen werden: die fehlenden Ausbildungen und Jobs vieler Bewohnerinnen und Bewohner. Dieses Problem löst nun Invest for Jobs, das in Baraka Weiterbildungen anbietet. Invest for Jobs ermöglicht es den Bewohnerinnen und Bewohnern, sich in 28 verschiedenen Berufen ausbilden zu lassen, um sich auf dem Arbeitsmarkt behaupten zu können. Rund 500 Personen sollen geschult und rund 350 gute Jobs geschaffen werden. Das Angebot reicht von klassischem Handwerk wie Zimmerei- und Bauhandwerk, Elektrik und Metallverarbeitung über Dienstleistungen wie Wäscherei- und Friseurangebote bis hin zu Marketing und Web-Entwicklung. Außerdem erhalten die Auszubildenden im Anschluss an die Schulungen technische Materialien wie Waschmaschinen, Computer, Nähmaschinen und Bauzubehör, damit sie in ihren neuen Job starten können.

Der erste Friseursalon im Viertel

Bernadette Bineta Ndiayes hat sich schon immer für Styling und Haarmode begeistert. Als sie die Chance dazu bekam, fiel daher ihre Entscheidung schnell auf eine Ausbildung zur Friseurin. Sie und die anderen Teilnehmerinnen bekamen Schulungen von deutschen Expertinnen und Experten im Friseurhandwerk und der Schminktechnik sowie im Marketing und Design eines Salons. Außerdem bekamen sie Materialien wie elektronische Geräte, Haarfärbemittel, Shampoos, Conditioner, Friseurstühle, Handtücher, Umhänge, etc. Mit Wissen und Arbeitsgerät ausgestattet, hat sich Bernadette Bineta Ndiaye mittlerweile mit zehn anderen Frauen aus dem Training zusammengetan, um den ersten Friseursalon im neuen Baraka aufzumachen: „Wir hätten nie gedacht, dass wir eines Tages so viele Fähigkeiten entwickeln würden, sei es Massagen oder Haareschneiden für Männer und für Frauen. Wir haben so viel gelernt und haben jetzt die Chance, uns eine Zukunft zu bauen.“

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