leere PET-Flaschen
 © GIZ / Felix Weber

Aufbau einer Kreislaufwirtschaft in Ghana

Kunststoffabfälle fair und
wirtschaftlich verarbeiten

Projektdaten

AUSGANGSLAGE UND HERAUSFORDERUNGEN

Ungenutztes Potenzial in der afrikanischen Abfallwirtschaft

Im Durchschnitt wurden 2012 in städtischen Gebieten Afrikas nur ca. 55 Prozent der Abfälle formell gesammelt, und nur etwa vier Prozent der Abfälle recycelt. Daher sind Abfallmanagement und Recycling vielversprechende Sektoren, in denen entwicklungspolitische Ziele und unternehmerische Chancen ineinandergreifen mit dem gemeinsamen Ziel, den Übergang afrikanischer Städte zur Kreislaufwirtschaft zu beschleunigen.

Ghana ist demokratisch gefestigt und agiert sogleich als Stabilitätsanker Westafrikas. Das Land zeichnet sich durch ein bedeutendes Wirtschaftswachstum sowie politische Stabilität aus. Neben der Wirtschaft wächst die Bevölkerung pro Jahr um mehr als 2 Prozent, was zu einem deutlichen Anstieg des Verbrauchs von Kunststoffprodukten und damit zu einer Zunahme von Kunststoffabfällen führt. Es wird geschätzt, dass das Aufkommen von Siedlungsplastikabfällen (ohne Berücksichtigung industrieller, institutioneller und kommerzieller Quellen) in Ghana pro Jahr um 5,4 Prozent wächst. Nach Angaben der Ghana National Plastic Action Partnership (NPAP) fallen in Ghana jährlich rund 1,1 Millionen Tonnen Kunststoffabfälle an, von denen nur fünf Prozent für das Recycling gesammelt werden.

Mehr als 95 Prozent aller für das Recycling zurückgewonnenen Kunststoffabfälle werden vom informellen Sektor verwertet. Der Übergang zu einer integrativen und geschlechtergerechten Kreislaufwirtschaft bietet somit besonders den traditionell marginalisierten Gruppen der ghanaischen Gesellschaft eine Chance, am Wirtschaftswachstum des Landes Teil zu haben.

PROJEKTANSATZ UND PROJEKTZIELE

Ausbildung in der Abfallsammlung und -verarbeitung

Das Projekt unterstützt mit der Bremer Partnerfirma Rodiek & Co. GmbH das ghanaische Unternehmen Tidyup Ghana Ltd., das bereits seit 15 Jahren im Abfallmanagement des Landes aktiv ist. Im Rahmen des Projektes wurde zunächst eine bisher stillgelegte Abfallumladestation des Unternehmens wiedereröffnet und zu einem Sammelzentrum von recycelbaren Abfallströmen umfunktioniert. Außerdem wurden kommunale Sammelstellen an das Projekt angegliedert und somit einerseits das Netz der Müllsammlerinnen und -sammler für das Unternehmen Tidyup erweitert, als auch der Materialeinsatz stabilisiert.

Darüber hinaus wurde ein Konzept entwickelt, das den Ankauf von Wertstoffen aus dem informellen Sektor zu einem fairen, leistungsbezogenen Preis ermöglicht. Im Jahr 2021 wurden 45 Müllsammlerinnen und -sammler – 90 Prozent davon Frauen – im Bereich Sammlung und Behandlung von Kunststoffabfällen, insbesondere PET und LDPE-Folien, geschult. Ein besonderer Fokus wurde auf Qualitätserhaltung der Materialströme als auch Transportoptimierung gelegt, um dadurch garantierte und überdurchschnittlich hohe Löhne für die Müllsammelnden zu erzielen. Die Müllsammlerinnen und -sammler wurden dabei über eine digitale Plattform registriert. Auf diese Weise konnte das gesammelte Material über die gesamte Wertschöpfungskette zurückverfolgt und so auch die Bezahlung fairer Löhne sichergestellt werden.

Das Projekt zielte darauf ab, die Materialströme zu stabilisieren, indem die Müllsammlerinnen und -sammler mit Fokus auf Materialidentifikation und Materialhandhabung geschult wurden, um verlässliche Qualitäten zu gewährleisten, dabei die Qualitätsanforderungen von Tidyup zu erfüllen und sichere Vertriebswege zu etablieren. Zusätzlich erhielten die Müllsammlerinnen und -sammler Schulungen zum sicheren Arbeiten unter COVID-19-Bedingungen.

STATUS UND AUSBLICK

Auf dem Weg zu einer Kreislaufwirtschaft

Aus einem Plastik- und Umweltproblem wird eine regelmäßige Einkommensquelle mit besseren Arbeitsbedingungen – einen möglichen Weg dahin hat dieses Projekt aufgezeigt. Die Entstehung einer lokalen Kreislaufwirtschaft wurde unterstützt und allein in vier Monaten Projektlaufzeit konnte Tidyup bisher viereinhalb Tonnen Plastik sammeln und trennen, was ca. 230.000 Flaschen entspricht: 56.000 Flaschen pro Monat und 1.900 Flaschen pro Tag. Durch den Aufbau von Sammelstrukturen können auch zukünftig verlässliche Materiallieferungen zu konstanten Qualitäten gewährleistet werden. Dies führt zu stabilen Geschäftsbeziehungen und einer steigenden Nachfrage, geregelten Einkommen und langfristig zum Aufbau einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft.

Das Unternehmen Tidyup wird von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH zusammen mit dem Partnerfirma Rodiek & Co im Rahmen der Sonderinitiative Ausbildung und Beschäftigung und develoPPP unterstützt. develoPPP ist ein Förderprogramm des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).

Projektstatus

Abgeschlossen

Projektstandorte


Ghana Accra

Projektziele

Kreislaufwirtschaft Verbesserung von Arbeitsbedingungen

Sektor

Sonstige

Ein Projekt mit

Unternehmen

Partner

Rodiek & Co

Kontakt

Wir freuen uns auf Ihre Nachricht

Pressekontakt

Telefon: 030 / 18 535-28 70 oder -24 51

Telefax: 030 / 18 535-25 95

E-Mail: presse@bmz.bund.de

Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass die Pressestelle ausschließlich Anfragen von Journalistinnen und Journalisten beantwortet.