Wofür steht Ihr Unternehmen? Was ist Ihre Vision?
Skin Gourmet ist ein ghanaisches Unternehmen, das 2014 gegründet wurde. Wir sind auf rohe, handgefertigte Hautpflegeprodukte spezialisiert, die so pur sind, dass man sie essen kann. Unser Hauptziel ist es, das Wirtschaftswachstum in Ghana durch die Schaffung guter Arbeitsplätze anzukurbeln. Das tun wir, indem wir Ghanas natürliche Ressourcen in hochwertige Produkte verwandeln. Wir stellen unter anderem essbare Körperbutter, Peelings und Öle her. Wir nutzen Schönheit und Pflegeprodukte als Motor für Chancengleichheit und sorgen dafür, dass lokale Produzierende und Gemeinden wirtschaftlich gestärkt werden. Wir sehen die Kosmetikbranche als Mittel, um sowohl dem Klima als auch den Menschen zu helfen und gleichzeitig Gewinn zu erzielen.
Das Recycling leerer Verpackungen ist Teil der Nachhaltigkeitsstrategie © GIZ/ Sylvester Anokye
Wie hat sich Ihr Unternehmen in den letzten Jahren entwickelt und wo steht es heute?
Während der Corona-Pandemie haben wir das Team auf 11 Mitarbeitende reduziert. Derzeit sind wir 27 Teammitglieder und streben die Einstellung von weiteren 20 Mitarbeitenden an. Wir möchten jedoch nicht zu schnell wachsen. Wir haben uns hohe Standards gesetzt, um die Unternehmenskultur zu verbessern: Dafür haben wir ein Managementteam gegründet und gemeinsam überlegt, wie wir Herausforderungen im Unternehmen besser bewältigen können. Außerdem haben wir die Gehälter regelmäßig angehoben, Mutterschafts- und Vaterschaftsurlaub eingeführt und die meisten Freitage zu freien Tagen gemacht. Um dem sozialen und ökologischen Engagement des Unternehmens eine Struktur zu geben, haben wir die Skin Gourmet Stiftung ins Leben gerufen. Sie konzentriert sich auf Gemeindeentwicklung, Nachhaltigkeit, Unterstützung von Landwirtinnen und -wirten, die Stärkung von Frauen und das Wohlbefinden von Familien.
Eine wichtige Aktivität ist die Schulung von Landwirtinnen und -wirten in ökologischer und klimafreundlicher Landwirtschaft, damit sie die Qualität verbessern, Zertifizierungsstandards erfüllen und Zugang zu lukrativeren Märkten erhalten können. Eine weitere Aktivität ist unsere Initiative für nachhaltige Energie, die darauf abzielt, Familien mit sauberen Kochherden zu versorgen, um ihre Gesundheit zu verbessern und Umweltschäden zu verringern.
Außerdem bauen wir derzeit eine Fabrik im Norden Ghanas in Zusammenarbeit mit der lokalen Gemeinschaft. Wir haben bereits damit begonnen, weiblichen Produzentinnen einen Aufschlag von 100 Prozent zu zahlen, und wir möchten diesen Ansatz systematisieren. Wir können nicht nur von Europa verlangen, bessere Preise zu zahlen – es beginnt bei uns als Lieferanten.
Wo verkaufen Sie Ihre Produkte?
Neben dem ghanaischen Markt exportieren wir derzeit in rund 30 verschiedene Länder, darunter Kanada, Japan, die USA, den Libanon, Indien und Großbritannien, wobei es sich jedoch um relativ kleine Aufträge handelt. Wir exportieren auch in einige afrikanische Länder, meist direkt an die Kundschaft. Bei der Analyse des europäischen Marktes haben wir erkannt, dass dieser aufgrund der Bedeutung, die Nachhaltigkeit in Europa hat, sehr gut zu uns passt. Deshalb konzentrieren wir uns mittlerweile viel gezielter auf diesen Markt.
Erfassung von Rohstoffen und fertigen Produkten © GIZ/ Sylvester Anokye
Welche Auswirkungen hatte Ihre Zusammenarbeit mit Invest for Jobs?
Vor der Zusammenarbeit mit Invest for Jobs standen wir vor derselben Herausforderung wie viele andere Unternehmen in der Region: Wir wollten Geschäfte tätigen, kannten uns auf den Märkten jedoch nicht ausreichend aus. Die Teilnahme an einem Austauschprogramm, das eine zweiwöchige Geschäftsreise nach Hamburg und Berlin beinhaltete, hat uns die Augen geöffnet. Sie half uns, die europäische Marktlandschaft besser zu verstehen. Trotz meines Master-Abschlusses in Nachhaltigkeit war mir vor dem Austauschprogramm nicht bewusst, wie entscheidend Nachhaltigkeit für den Zugang zum europäischen Markt ist. Wir haben gelernt, dass es nicht ausreicht, nur einige vereinzelte Nachhaltigkeitsmaßnahmen umzusetzen, sondern dass wir Nachhaltigkeit in unser gesamtes Geschäftsmodell integrieren müssen.
Darüber hinaus haben sich dank der Bereitstellung von zwei Ölpressen im Rahmen des Zuschussprogramms zur Schaffung von Arbeitsplätzen [Anm. d. R.: einer Kooperation zwischen Invest for Jobs und der Association of Ghana Industries] die Konsistenz und Qualität unseres Öls deutlich verbessert.
Wir haben auch verstanden, dass Qualität allein nicht ausreicht, wenn wir Endprodukte auf dem europäischen Markt verkaufen wollen – Vertrauen ist ebenso wichtig. Zertifizierungen spielen eine Schlüsselrolle beim Aufbau dieses Vertrauens, da sie belegen, dass unsere Produkte internationalen Standards entsprechen. Invest for Jobs unterstützte uns auch bei der Entscheidung, welche Zertifikate wir anstreben sollten und wie wir diese erhalten können.
Dank dieser Maßnahmen sind wir nun in der Lage, einzuschätzen, wo wir stehen und wo wir hinwollen. Das liefert zwar nicht alle Antworten, gibt uns aber eine klare Richtung vor und Werkzeuge an die Hand, um Schritt für Schritt voranzukommen.
Könnten Sie etwas näher auf das Thema Qualitätsmanagement und Zertifizierungen eingehen?
Dank unserer Zusammenarbeit mit Invest for Jobs haben wir die Bedeutung des Qualitätsmanagements erkannt. Im Rahmen dieses Prozesses haben wir neue Rollen im Unternehmen geschaffen, beispielsweise eine Person, die für die gesamten Dokumentation im Bereich Qualitätsmanagement verantwortlich ist. Außerdem haben wir einen Leiter für Qualitätssicherung eingestellt. Wir freuen uns, dass wir im vergangenen Jahr die HACCP-Zertifizierung erhalten haben. Als wir jedoch auf der Messe InCosmetics in Amsterdam mit europäischen Einkäufern in Kontakt kamen, wurde uns klar, dass Lebensmittelsicherheit nur der erste Schritt ist. Deshalb arbeiten wir derzeit an der EU-Bio-Zertifizierung, die von den meisten europäischen Einkäufern verlangt wird. Die Herausforderung bei der Einführung und vor allem der Aufrechterhaltung eines Qualitätsmanagementsystems liegt darin, die Belegschaft so zu schulen, dass sie die Qualitätsmanagementprozesse täglich umsetzen. Deshalb fördern wir kontinuierlich die Kompetenzen unserer Mitarbeitenden.
Das Branding von Skin Gourmet ist stark von seinem Engagement für Nachhaltigkeit geprägt © GIZ/ Sylvester Anokye
Was sind Ihre Ziele für das laufende Jahr?
Der wichtigste Schritt ist es, potenzielle internationale Abnehmer kennenzulernen und den Kontakt zu ihnen zu pflegen. Wir stehen mit einem potenziellen, sehr verantwortungsbewussten Kunden in Europa in Kontakt; ein Geschäft mit ihm wäre ein großer Erfolg für Skin Gourmet! Die EU-Bio-Zertifizierung ist dafür entscheidend, und deshalb konzentrieren wir derzeit all unsere Anstrengungen darauf. Eine weitere Herausforderung besteht darin, Nachhaltigkeit und Qualitätsmanagement vertikal in unsere Lieferkette zu integrieren. Die Lieferantinnen und Lieferanten sind meist in ländlichen Gebieten, in denen wir nicht immer präsent sind. Es ist entscheidend, dass die Mitglieder der Kooperativen, mit denen wir zusammenarbeiten, verstehen, dass auch sie von verbesserter Qualität und neuen Märkten profitieren.
Haben Sie einen Rat für andere Unternehmen?
Unser Rat an andere Unternehmen lautet, zielgerichtet und mit soliden Strukturen zu wachsen. Das bedeutet konkret, sich nicht nur auf den Gewinn, sondern auch auf die Menschen, die Qualität, die Nachhaltigkeit und den Beitrag zum Gemeinwohl zu konzentrieren. Internationale Märkte erfordern Vertrauen; daher müssen Unternehmen in eine gute Dokumentation, Zertifizierungen und gleichbleibende Qualität investieren. Am wichtigsten ist es, die Lieferantinnen und Lieferanten sowie das Team mit einzubeziehen, denn nachhaltiges Wachstum ist nur möglich, wenn alle davon profitieren.
Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH unterstützt Skin Gourmet im Rahmen der Sonderinitiative „Gute Beschäftigung für sozial gerechten Wandel“ des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).